LogoSW

<< Home
<< andere Astronomie-Beiträge
 ↓↓ Ende

Die Schräge der Globus-Achse

Inhalt

1. Ein Globus mit "falscher" Achs-Schräge
2. Die "richtige" Achs-Schräge
3. Ein sekundärer Nutzen der Achs-Schräge
4. Down under → Down up

1. Ein Globus mit "falscher" Achs-Schräge  ↑ Anfang

Ein Globus ist um seine zwischen Nord- und Südpol liegende Achse drehbar. Damit kann die Drehung der Erde um ihre durch die Pole gehende Achse nachgebildet werden. Die "richtige" Schräge der Globus-Achse ist unserem Unterbewusstsein offensichtlich fest eingeprägt, so dass Globen mit einer anderen Achsrichtung sofort auffallen. Das erlebte ich bei einem mir geschenkten kleinen Globus aus geäztem Glas (Durchmesser 58 mm, Abb.1 links), dessen zu starke Neigung mich störte und ich bald korrigierte (Abb.1 rechts).

Abb.1   links: Globus mit ungewöhnlichem Neigungswinkel
            rechts: "richtige" Neigung nach Änderung

2. Die "richtige" Achs-Schräge  ↑ Anfang

<< Abb.2   Globus mit senkrechter Achse (Globenmuseum Wien)

Dass ein Globus eine geneigte Achse - egal in welchem Maße - haben müsse, ist für seinen Gebrauch nicht erforderlich. Dennoch wird von den meisten Benutzern eine bestimmte Neigung für "richtig" gehalten, und es ist ihnen nicht bekannt, dass es vereinzelt Globen mit senkrechter Achse (Abb.2) gibt, und dass es durchaus auch vorstellbar ist, die Globus-Achse z.B. horizontal zu legen.

Die "richtige" Achs-Schräge ist ein Überbleibsel aus früheren Jahrhunderten, als Globen nicht nur zur Lage-Darstellung der Länder und Meere auf der Erde dienten. Globen waren damals wissenschaftliche Instrumente zur Darstellung sowohl des geografischen als auch des astronomischen Weltbildes. Sie waren von mehreren Ringen umgeben, dessen wichtigster der horizontale Ring zur Darstellung der Erd- bzw. der scheinbaren Sonnen-Bahnebene war (Ekliptik-Ring, Abb.3, links). Auf dieser Bahn steht die Erdachse nicht senkrecht, sondern sie weicht um den Elkiptik-Winkel ε ≈ 23,5° von der Senkrechten ab.

Die Ringe sind verschwunden, aber die Schräge der Globusachse ist ohne erkennbaren Bezug geblieben. Vom Meridian-Ring gibt es noch die Hälfte, der meistens unskaliert zum bloßen Halter der Achse geworden ist (Abb.n 1 u. 4).


Abb.3   links: Globus mit horizontalem Ekliptik- und vertikalem Meridian-Ring (Zeichnung von Robert Hues in
                     Tractaet ofte Handelinge van het gebruyck der Hemelscher ende Aertscher Globe)
            rechts: Globus als Bestandteil eines Telluriums (Erde und Sonne in horizontaler Ebene)

3. Ein sekundärer Nutzen der Achs-Schräge  ↑ Anfang

Die Achs-Schräge von 23,5° könnte sich deshalb erhalten haben, weil sie für die meisten Benutzer einen Vorteil hat. Die Gegenden der Erde auf mittleren nördlichen Breitengraden - wo die meisten Menschen leben - lassen sich nämlich bequem auf derart geneigten Globen betrachten. In Abb.4 habe ich die Blickichtung einer durchschnittlich großen Person auf einen Globus, der auf einem Tisch üblicher Höhe steht, mit einem Pfeil angedeutet. Der Pfeil trifft die Oberfläche des nach hinten geneigten Globus bei etwa 45° nördlicher Breite.

Abb.4  Neuzeitlicher Globus, zur Erklärung ein Ekliptik-Ring zugefügt

Abb.5  Globus in Standard-Neigung: Blick auf Europa und Nordafrika



Abb.6  Globus in Standard-Neigung
            links: Blick auf Ost-Asien, Australien ganz unten
            rechts: unbequemer Blick aus der Hocke auf Australien

Die Abbildungen 5 und 6 (links) zeigen den Nutzen beispielsweise für die Europäer und die Ost-Asiaten bei der Betrachtung ihrer heimatlichen Gegend. In Abbildung 6 (links) ist aber auch zu erkennen, dass die Australier diesen Nutzen nicht haben. Ihr Land verschwindet am unteren Rand. Sie müssen in die Hocke gehen, um Australien einigermaßen gut erkennen zu können (Abb.6, rechts).

Würde man den Globus mit horizontaler Achse lagern, so könnte sich jeder Erdenbewohner einen optimalen Blick auf diejenige Globusstelle verschaffen, die seinem Wohnort enstpricht, oder Jedermann auf diejenige Stelle, die ihn momentan interessiert. Nicht optimal blieben in diesem Fall nur die Pole, für die man doch in die Hocke gehen müßte.

4. Down under → Down up  ↑ Anfang

Eine Reaktion zur Benachteiligung Australiens auf europäisch oder nordamerikanisch geprägten Weltkarten war die des Australiers Stewart Mc Arthur. Er brachte in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts eine Karte auf den Markt, auf der Australien nicht nur in Ost/West-Richtung mittig, sondern auch oberhalb der Mitte ist (Abb.7). Deshalb ist auf ihr Süden oben. Seit dieser Zeit gibt es mehrere solche in Australien hergestellte Karten .

Abb.7  Vom Australier Stewart McArthur hergestellte Weltkarte [topoi.org]

Da mir eine zur Weltkarten- entsprechende Globus-Variante nicht bekannt ist, habe ich eine solche probeweise hergestellt, indem ich einen Globus einfach kopfüber in seinen Halter einsetzte (Abb.8 ff).

Die Länder der südlichen Erdhälfte sind weniger weit vom Äquator entfernt als die der Nordhälfte. Als mittlere optimaler Betrachtungsrichtung bietet sich die etwa senkrechte auf den südlichen Wendekreis an (Abb.8, Pfeil). Dann sieht man Ausrtralien (Abb.9) und Süd-Afrika und -Amerika (Abb. 10) optimal.

Abb.8  Globus in Standard-Neigung, aber unten-oben vertauscht

Abb.9  Globus in Standard-Neigung, unten-oben vertauscht: bequemer Blick auf Australien und Neuseeland

Abb.10 Globus in Standard-Neigung, unten-oben vertauscht: bequeme Blicke auf Südafrika (li.s) und Südamerika (re.s)

LogoSW Siegfried Wetzel, CH 3400 Burgdorf, April 2014 (Nov.14)

 ↑↑ Anfang
<< andere Astronomie-Beiträge
<< Home