LogoSW

<< Home
<< andere Wasserweg-Beiträge

 ↓↓ Ende

Der Grüttbach,
ein Fließgewässer im Schweizer Mittelland

Inhalt

1. Einleitung
2. Namen
3. Geographie
    3.1 Verlauf und Charakter
    3.2 Nebenbäche, Zuflüsse, Teilungen und Abzweigungen
4. Natur und Umwelt
5. Nutzung
6. Anmerkungen
7. Quellen

1. Einleitung

Der Grüttbach ist ein etwa 30 km [1] langer Bach im Schweizer Mittelland. Er fliesst in den Kantonen Bern und Solothurn im tief gelegenen, relativ breiten und ebenen Teil des Mittellandes und wird links von der nahen Emme und rechts streckenweise von der Ösch begleitet und mündet wie diese beiden von rechts in die Aare.

Abb.1: Plan des Grüttbaches zwischen Anfang (Emme-Düker) und Ende (Aare-Kraftwerk Flumenthal) [2]
           zu vergrösserten Teibildern: links, Mitte, rechts

Abb.3: Ende des Grüttbaches beim Einfluss in das
            Oberwasser des Aare-Kraftwerkes Flumenthal


Abb.2: Beginn des Grüttbaches bei Kirchberg mit durch einen Düker unter der Emme aus Burgdorf
            zufließendem Wasser

2. Namen

Den Namen Grüttbach hat dieses Gewässer im Geoserver des Kantons Solothurn (GSS) ab seinem Anfang in Kirchberg [GSS-a] bis 2,5 km vor seinem Ende. Nur dieses kurze Stück in Luterbach heisst darin Dorfbach [GSS-b].

Im Geoserver der Schweizer Bundesverwaltung (GSBV) werden ihm nacheinander die vier Namen Grüttbachkanal [GSBV-a], Oberholzbach [GSBV-b], Grüttbach [GSBV-c] und zum Schluss ebenfalls Dorfbach [GSBV-d] zugewiesen.

Im Geoserver des Kantons Bern (GSBE), der allerdings nur bis zur Kantonsgrenze (im Wald südlich von Ober-Gerlafingen) reicht, gibt es überhaupt nur einen Namen, aber nicht Grüttbach, sondern Oberholzbach [GSBE](Anmerkung 1).
Das ist insbesondere für die Einwohner von Kirchberg befremdlich, die nach dem Bau des Emme-Dükers bei ihnen, der das Gewässer auf seiner ganzen Länge wesentlich anreichert, dessen ursprünglich im unteren Teil üblichen Namen Grüttbach (siehe auch [3]) wie selbstverständlich gebrauchen (neben Grüttbach auch Grüttbachkanal oder Grüttgrabe).

In den anliegenden Dörfern wird er oft nutzungs- (Mühlibach, Sagi- oder Sackbach) oder flurbezogen (Oberholzbach, Wiesenbächli) bezeichnet. Darüber hinaus gab es diverse frühere, heute nicht mehr benutzte Teilnamen: z. B. in Derendingen Ämmebächli, Püntelibach, Bülibach, Ruuschibach [4] u. a.

Das ähnlich geschriebene Grüth ist mittelhochdeutsch und bedeutet roden, urbarmachen o. ä [5]. Im am Grüttbach liegenden Derendingen heisst ein Ortsteil Grütt-Obergaden, wobei sich Grütt hier auf eine frühere Flur mit diesem Namen bezieht [6].

3. Geographie

3.1 Verlauf und Charakter

Der solothurnische Teil des Mittellandes wird wegen seines Wasserreichtums umgangssprachlich seit langen und seit den 1980er Jahren als Verwaltungsregion Wasseramt bezeichnet. Beim Grüttbach und den ihn begleitenden Gewässern handelt es sich im engeren Sinne um das solothurnische mittlere Wasseramt.

Der Grüttbach hat heute noch Verbindung zu den beiden Begleitern. Vor der Besiedlung waren die Verbindungen wahrscheinlich so zahlreich, dass eine Trennung in Emme und zwei rechts parallele Bäche kaum möglich war. Er fliesst nirgends in einem ausgeprägten Tal, in dem er "gefangen" wäre (die Ösch fliesst auch nur am Anfang wenige Kilometer weit in einem engeren Tal). Obwohl der Grüttbach auch heute an mehreren Stellen Wasser an die Emme (und sogar an die Aare, andererseits die Ösch an den Grüttbach) abgibt, bleibt er eigenständiger Wasserlauf, dessen meistes Wasser weiter als die Emme und erst deutlich unterhalb der Emme-Mündung in die Aare fliesst. Seiner streckenweise ausgeprägten Umgestaltung als Gewerbekanal ging die Befestigung seiner Ufer und die Begradigung zum Schutz der Landwirtschaft voraus. Er fliesst in einem Gebiet, wo er ohne solche Massnahmen heute noch mäandern und sich bei Hochwasser weit verbreiten würde.

An seinem Anfang hat der Grüttbach eine ungewöhnliche Besonderheit, indem er heute im Wesentlichen aus der nahen Emme) gespiessen wird. Ihm wird das Vielfache Wassers dessen zugeführt, was seine eigentliche Quelle ursprünglich beitrug. Dadurch bekam er den Charakter eines Kanals, im Besonderen den eines Gewerbe- oder Industriekanals. Auf seinem Wege bis zur Mündung fliesst Wasser aus Nebenbächen hinzu, so dass dieser Charakter schwächer wird. Trotzdem konnten die meisten anliegenden Mühlen und Gewerbebetriebe ohne dieses Fremdwasser nicht auskommen [6], und die elektrischen Kleinkraftwerke gäbe es heute nicht.

Ursprünglich begann der Grüttbach als Brunnbach (Anmerkung 2). In Kirchberg hiess er auch Mühlebach, dem aber für den Mühlenbetrieb Wasser schon damals zeitweise aus der Emme vor Ort zugeführt werden musste [7]. Eine im 19. Jahrhundert in Kirchberg gegründete Weberei hatte grösseren Wasserbedarf, der sich mit dem im oberhalb und gegenüber gelegenen Burgdorf der Emme entnommenen Wasser
(siehe auch [[Fliessgewässer in Burgdorf BE]])
decken ließ. Dafür wurde 1889 ein Düker unter der Emme gebaut und das in Burgdorf nach seiner gewerblichen Nutzung wegfliessende Wasser nach Kirchberg weiter geleitet. Das jetzt in Kirchberg Grüttbachkanal genannte Gewässer wurde dadurch so stark, dass bereits am Ortseingang ein elektrisches Kraftwerk mit damals etwa 100 PS betrieben werden konnte und die Versorgung des Gewerbes und der Industrie auf der gesamten weiteren Bachstrecke wesentlich besser wurde. Sein ehemaliger Anfangsteil oberhalb von Kirchberg (Brunnbach) ist heute versiegt

3.2 Nebenbäche, Zuflüsse, Teilungen und Abzweigungen

Nicht erfasst sind die Hochwasser-Entlastungskanäle und -stollen.

Ämmebächli: in Kirchberg kurz vor der Autobahn links abzweigend , eingedolt
Grüenibächli: in Kirchberg beim Widenhof links abzweigend , eingedolt)
Obergadenbach: linke Abzweigung
Brunnbach: linker Nebenbach
Verbindungsbach: linke Abzweigung
Neumattbach: streckenweise Teilung in Neumattbach/links und Grüttbach/rechts
Schluchtbach: linke Abzweigung aus Neumattbach
Dorfbach: rechter Nebenbach
Kleine Oesch: von rechts Wasserzufluss aus der Oesch
Späckgraben: linke Abzweigung
West- und Ostarm : Aufteilung in Dorfbach/Westarm (links) und Dorfbach/Ostarm (rechts)
                                Der wasserreichere Ostarm mündet in das Oberwasser des Aare-Kraftwerks Flumenthal,
                                während der Westarm vom unter dem Stau-Seitendamm angebrachten
                                Entwässerungskanal aufgenommen wird, der unterhalb des Kraftwerkes in die Aare fliesst.
                                Die beiden Arme kreuzen sich somit vor ihren Enden.

Alle Abzweigungen ausser dem Späckgraben (zur Aare) führen zur Emme.

4.Natur und Umwelt

Im Grüttbach kommen Bachforelle und Regenbogenforelle vor [8]. An mehreren Stellen wurde er renaturiert, so 2019 über die bisher größte Länge von etwa 1 km im am Rand der Autobahn in bisher in Betonschalen fliessenden Oberholzbach /Abb.3). Dieser insgesamt etwa 5 km lange Teilbach war erst 1960 zur Niederschlags-Entwässerung der Autobahn angelegt worden. Vorher floss er als naturbelassener Sagibach etwa einen halben Kilometer westlicher [9].

Abb.3: Grüttbach (Teil Oberholzbach) neben der Autobahn südlich (links) und am Rande (rechts) des Oberholz-Waldes
            links: schnurgerade und in Betonhalbschalen eingezwängt [10]; rechts: renaturiert

5. Nutzung

Abb.4:
Ende des etwa 5,5 m hohen, von rechts kommenden Damms vor dem ersten Kraftwerk in Kirchberg; etwa 2 m weiteres Gefälle unterirdisch bis zur etwa 30 m links entfernten Wasserturbine, d. h. 7,5 m genutztes Gesamtgefälle

Der Grüttbach und seine Nebenbäche betrieben einmal um die 50 verschiedene gewerbliche Anlagen (Getreidemühlen, Walkmühlen, Sägewerke u. ä.).

1934 wurden 32 Anlagen mit zusammen etwa 700 kW Leistung gezählt.

Heute (2024) werden nur noch elektrische Kleinkraftwerke betrieben: 16 mit zusammen etwa 1000 kW Nennleistung (Anmerkung 3) und jährlich etwa 5,5 Millionen kWh erzeugter elektrischer Energie, [11], (Anmerkung 4).

Der Strom wird in das öffentliche Netz eingespeist. Ausnahme ist eine noch betriebene Getreidemühle, in der die Mahlwerke und andere Maschinen (Weiterverwendung der alten Transmissionsanlage) über einen Elektromotor vom vor Ort mit einem Generator erzeugten elektrischen Strom angetrieben werden [12].

Das Kraftwerk mit der größten Leistung befindet sich kurz nach dem Beginn des Grüttbachs am Emme-Düker. Dessen etwa 1,1 km langes Bett ist auf einem fortwährend über Grund höheren Damm errichtet, um das Bettgefälle klein und das Gefälle über der Turbine gross (7,5 m [13] zu halten. Dieser künstliche Wasserlauf auf einem auffälligen Damm (Abb. 4) war der Grund dafür, dass der erste Teil des Grüttbaches den Namen Grüttbachkanal (abgekürzt: Grüttkanal) bekam.

6. Anmerkungen

Anmerkung 1:
Oberholzbach erscheint am Anfang auf der Karte allerdings erst ab einer bestimmten Vergrößerung. Vorher wird Grüttbachkanal angezeigt, siehe folgendes Bild (höhere Vergrößerung im Ausschnitt rechts).
Anmerkung 2:
Als Brunnbach wird allgemein ein kleiner oder der Anfang eines grösseren Bachs bezeichnet, der in Gegenden mit hohem Grundwasserpegel vom aus dem Untergrund "aufstossenden" Wasser gebildet wird.

Anmerkung 3:
Das durchschnittliche Leistungspotential P des Grüttbachs beträgt 1.835 kW brutto
Gesamtgefälle h=93,5m, durchschnittlicher Wasserfluss Q=2m³/s bzw. durchschnittliche Gewichtskraft fallenden Wassers F= 2000kg/s·9,81m/s²=19.620N/s;
P=h·F=93,5m·19.620N/s=1.834.470Nm/s≈1.835kW

Anmerkung 4:
Bezogen auf die Nennleistung wären das 230 Tage jährliche Betriebszeit. Auf 360 Tage umgerechnet ist die tatsächliche durchschnittliche Leistung etwa 640 kW.

7. Quellen

  [1] Ernst Meier: Der einzigartige Weg eines Bachlaufes vom Auslauf aus der Emme in Burgdorf bis zur Mündung
                            in die Aare in Riedholz
, Selbstverlag (fam.meier.bzh@bluewin.ch),S. 211
  [2] Ernst Meier: S. 126, 166 u. 210
  [3] Peter Hug - Lexikon: "Der Name Grüttbach ist wenig bekannt und wird von der Siegfriedkarte nur dem Laufstück
                                          Nieder-Gerlafingen - Derendingen beigelegt."
  [4] Ernst Meier: S. 167
  [5] Daniel Stieger: Alte Flurnamen.
  [6] Ernst Meier: Flurname Grütt im Bild auf S. 159
  [7] Ernst Meier: S. 101
  [8] Schweizerischer Fischerei-Verband: Fischer schaffen Lebensraum
  [9] Ernst Meier: S. 127 u. ab S. 132
[10] Ernst Meier: S. 133
[11] Ernst Meier: S. 223
[12] Ernst Meier: S. 111
[13] Ernst Meier: Bild auf S. 105

LogoSW Siegfried Wetzel, CH 3400 Burgdorf, (März 24) Juni 2024

 ↑↑ Anfang

<< Home
<< andere Wasserweg-Beiträge