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Der Fletcher-Tisch

Vorbemerkung

Der Fletcher-Tisch ist ein großer runder und i.d. R. sehr teurer und großer Ausziehtisch, den ich mir nicht anschaffen und nicht bauen wollte. Auch eine verkleinerte Ausführung ist für normal große Wohnzimmer zu groß. Der Platz in diesen meistens rechtwinkligen Zimmern wird zudem von Rechteck-Tischen besser als von runden ausgenutzt. Tische wie der Fletscher-Tisch sind für Säle in Schlössern und anderen großen Gebäuden vorgesehen und dienen der Repräsentation. Für Letzteres wird er z.B. gerne in Empfangsräumen von Yachten aufgestellt.

Ich habe die vorliegende Abhandlung in die Kategorie "Hausen+Wohnen" eingeordnet, wobei sich meine einschlägige Aktivität aber darauf beschränkt, mich mit seiner ungewöhnlichen Konstruktion und Bedienung zu beschäftigen und diese zu beschreiben. Er ist bemerkenswert, weil sein händiges Ein- und Ausziehen von im Original-Tisch zwei mal sechs in zwei Gruppen zusammengefassten Teilen der insgesamt 13 teiligen Tischfläche durch ledigliches Drehen um die vertikale Tischachse vorgenommen werden kann.


Abb.1  Fletcher-Tisch (Fletcher Table, Original), voll ausgezogen, schmale Außenteile und Mittelteil müssen noch
           angehoben und miteinander "verzahnt" werden. Bild: Fletcher Burwell-Taylor Ltd

Inhalt

1. Das Vorbild: Der ausziebare runde Esstisch von Robert Jupe
2. Eine Verbesserung am Jupe-Tisch
3. Der moderne Fletcher-Tisch
    3.1 Verkürzte Zwischenteile
    3.2 Metall anstatt Holz
    3.3 Geometrische Details
    3.4 Das Maximum der Ausziebarkeit
    3.5 Die Mechanismen für das Heben und Senken von Tischplatten-Teilen (Fletcher-Tisch)
4. Anmerkungen

1. Das Vorbild: Der ausziebare runde Esstisch von Robert Jupe  ↑ Inhalt

David Boardman Fletcher entwarf seinen Tisch (Fletcher-Table) am Ende der 1990er-Jahren und orientierte sich dabei an einem ausziebaren runden Tisch von Robert Jupe (Patent 1835). Er machte die Zwischenteile ebenfalls und mit dengleichen von Jupe benutzten Mechanismen ausziebar. Alle Tischplatten-Teile werden gleichzeitig durch ihr Drehen von Hand um die vertikale Mittelachse ausgezogen bzw. zusammen geschoben.

Am Tisch von Jupe werden nur die kreissegmentförmige Teile der Tischplatte ausgezogen. In die dadurch entstehenden parallelen Lücken werden lange, d.h. bis zum durch das Ausziehen vergrößerten Tischrand reichende, relativ schmale Platten einzeln eingelegt (Abb.2). In einer möglichen Variante sind diese alle gleich und treffen sich mit ihrer pfeilförmigen Spitze im Tischmittelpunkt.


Abb.2  Jupe-Tisch (Jupe Table, Original), voll ausgezogen. Vier der acht schmalen Zwischenteile sind eingelegt. Nach
            dem Einlegen der restlichen (pfeilförmigen) Zwischenteile müssen die acht Kreissegmente etwas zur Mitte hin
            verschoben werden, damit sie sich mit den Zwischenteilen verzahnen u. die Spalte geschlossen werden.
            Bild: Michael Herles

Jupe ließ sich nicht nur die Unterteilungen von Tischplatten unterschiedlicher Randkontur (rund, oval und eckig), sondern auch den Mechanismus (Abb.3), zum Auseinanderziehen/Zusammenschieben der größeren Plattenteile patentieren. Für jedes Teil ist ein solcher Mechanismus vorhanden. Alle werden gleichzeitig bewegt.

Abb.3  Prinzip des Mechanismus im Jupe-Tisch:
           Schubsteine nahe der äußeren Endlage
           (Mechanismus gestreckt); Koppelstangen
           gebogen, damit sie sich bei innerer Endlage
           der Schubsteine nicht im Wege sind (Abb.4).

Abb.4  Jupe-Tisch (Nachbau), Blick von unten,
           Schubsteine in innerer Endlage, Bild: F. Bragoli

Beim Mechanismus handelt es sich um mehrere gleiche Kurbelschleifen (siehe Getriebe der Schubkurbelkette, Anmerkung 1). Jeder Schubstein trägt ein Ausziehteil. Die Koppelstangen drehen sich am Rand des gemeinsamen mittleren Säulenfußes des Tisches, während alle Schubsteinbahnen miteinander verbunden sind und um den Säulen- bzw. Tisch-Mittelpunkt drehen bzw. vom Benutzer als Ganzes hin- und hergedreht werden. Dieses Ganze ist ein Rad, dessen Speichen als Schubsteinbahnen ausgeführt sind (Abb.6). Die Verbindungen zwischen der Säulenmitte und den Anlenkpunkten der Koppelstangen bilden hier das jeweils unbewegliche Teil des Mechanismus, während sie beim Basis-Getriebe Schubkurbel die drehbaren Kurbeln sind.


Abb.5  Jupe-Tisch (Original), Unterbau mit Tragrad; feste Drehachsen der Koppelstangen auf den Speichen des Rades
Abb.6  Jupe-Tisch (Original), drehbarer Oberbau; Schubsteine (bzw. -stangen) zwischen parallelen Speichenpaaren
Bilder: Michael Herles

Das drehbare, die Tischplatte tragende obere Speichenrad wird auch außen auf einem entsprechenden Ring des Tragrades (Abb.5) gleitend gelagert.

2. Eine Verbesserung am Jupe-Tisch  ↑ Inhaltsverzeichnis

Nützliche Produkte werden immer gerne nachgebaut und dabei oft auch verbessert. Ein Nachteil des Jupe-Tisches zeigt sich bei der Aufbewahrung der relativ langen Zwischenteile der Tischplatte. Sie sind prinzipiell zu lang (mit Spitze gleich lang wie halber Durchmesser des ausgezogenen Tisches), um (zentrisch) unter dem verkleinerten Tisch Platz zu finden.

Abb.7  Jupe-Tisch: Aufbewahrung der Zwischenteile in einem beinahe "manns-hohen" Schrank; Bild: JupesPeriodIdeas
Abb.8  Jupe-Tisch: Aufbewahrung der gefalteten Zwischenteile unter Tischplatten-Niveau; Bild: T. McClellan

Tim McClellan versenkt -wie andere spätere Tisch-Entwerfer auch - die je einmal quer gefalteten Zwischenteile unter Tischplatten-Niveau. Dort befinden sie sich in einem extra mit einem Boden versehenen je eigenen Fach (Abb.8). Damit ein aufgeklapptes Zwischenteil die gestreckte horizontale Form annimmt und nicht durchhängt (der gemeinsame Schwerpunkt beider Halbteile befindet sich innerhalb des Drehringrandes und ist nicht unterstützt), ist am inneren Halbteil unterhalb der Faltachse ein zu ihr paralleler Stift angebracht, der beidseits in einer Nut in den Fach-Wänden nach oben geführt wird (Abb.9).

Abb.9  verbesserter Jupe-Tisch: ein gefaltetes und versenktes Zwischenteil der Tischplatte (Tischmitte: links im Bild)

Es gibt erstaunlich viele Varianten mit faltbaren Zwischenteilen, aber ohne den typischen Jupe-Mechanismus (z.B. auch Tim McClellan). Bei anderen Varianten (mit Jupe-Mechanismus) fand ich auch eine Ausführung, bei der die Zwischenteile der Tischplatte noch händisch gefaltet, ihr Versenken und Anheben aber zusammen mit dem Verschieben der Kreissegment-Plattenteile durch Drehen des Oberbaus vorgenommen werden (siehe hier).

3. Der moderne Fletcher-Tisch  ↑ Inhaltsverzeichnis

Der Engländer David Boardman Fletcher stellte sich die Aufgabe, den Jupe-Tisch ausschließlich durch Drehen der Tischplatte auszuziehen und wieder einzuschieben. Das zuletzt genannte Tischbeispiel genügt diesem Anspruch noch nicht, weil die Zwischenteile (alle einzeln) noch händisch ge- und entfaltet werden müssen. Nachdem Fletcher sein Ziel erreicht hatte, lag es nahe, auch die Tischplatte nicht mehr händisch zu drehen, sondern einen motorischen Antrieb zu verwenden. In einigen Nachbauten des Fletcher-Tisches wird das inzwischen auch so gemacht.

3.1 Verkürzte Zwischenteile  ↑ Inhaltsverzeichnis

Das Falten der von Jupe geformten Zwischenteile ist eine durch den Raum führende Bewegung, die sich schlecht dafür eignet, vom einfachen Hin- und Herdrehen der Tischplatte abgeleitet zu werden.Fletcher unterteilte die Tischplatte neu, wobei er die Zwischenteile verkürzte (ihre radiale Ausdehnung wurde auf die der Kreissegmente verkleinert) und dafür ein sternförmiges Zusatzteil in der Mitte (Stern) einführte (Abb.10).

Abb.10  Fletscher-Tisch: Unterteilung der Tischplatte in
             je sechs Kreissegmente und Zwischenteile und in
             ein sternförmiges Mittelteil                         >>>>





















Abb.11  Eine Hälfte der Tischlplatte wie in Abb.10
<<<<     oben. eingezogen; unten: ausgezogen
             Zwischenbilder: vertikaler Abstand zwischen
             den Plattengruppen überhöht dargestellt

In beiden Bildern (Abb. 10 u. Abb.11) ist die Vergrößerung des Tischdurchmessers mit einem theoretischen Wert von 1,52-fach dargestellt. Die praktisch mögliche Vergrößerung ist kleiner (s. Abschnitt 3.4 Das Maximum der Ausziebarkeit).



3.2 Metall anstatt Holz  ↑ Inhaltsverzeichnis

Fletcher übernahm von Jupe den Kurbelschleifen-Mechanismus (Abb.3) auch für das radiale Verschieben der Zwischenteile. Bei gleicher Teilung in sechs Kreissegmente (Jupe fertigte auch Tische mit 8er-Teilung) verdoppelte sich die Zahl der Mechanismen von sechs auf zwölf. Wegen der größeren Zahl gegeneinander zu bewegender Teile und auszuführender Bewegungen setzte er vermehrt typische Maschinenelemente ein, beispielsweise Schiebeelemente, die der Bewegung deutlich weniger Widerstand als auf Holz gleitendes Holz entgegen setzen. Der Fletcher-Tisch besteht größtenteils gar nicht mehr aus Holz, sondern aus Metall, so dass er nicht mehr wie der Jupe-Tisch ein klassisches Produkt eines Tischlers ist. Aus Metall (vorwiegend Aluminium) sind alle tragenden Teile gefertigt. Selbst die Tischplatten-Teile können metallene Sandwichplatten mit Wabenkern sein (und mit Folien beklebt Holzplatten imitieren).

Abb.12  Fletcher-Tisch: Blick unter die Tischplatte; Kurbelschleifen-Mechanismen in Strecklage; Zwischenteile
             durch Auflaufen des inneren Teiles des Schiebesteins auf schräge Rampen angehoben (siehe rechts oben);
             In der Mitte haben drei angeschrägte Zylinder-Segmente durch Auflaufen auf feste Rollen am Tischfuß
             den Platten-Stern (nicht eingezeichnet) angehoben.
             Beim Weiterdrehen über die Strecklage hinaus werden die äußeren Platten-Teile wieder etwa nach innen
             verschoben, wobei sich die Spalte zwischen ihnen schließen.

Es gibt sowohl Tischler, die den Fletcher-Tisch unter Verwendung von möglichst viel Holz nachgebaut haben (Abb.13), als auch Metallbauer, die bei der bevorzugten Verwendung von Metall geblieben sind. Bekannt wurde auch ein Entwurf, bei dem die Tischplatten-Teile aus Glas sind (Abb.14).


Abb.13  Fletcher-Tisch, fast ganz aus Holz, wegen der größeren Reibung zwischen Holzteilen aber nur vier
             Kreissegmente und 4 Zwischenteile; Bild: Scott Rumschlag (Anmerkung 2)
Abb.14  Fletcher-Tisch ohne Verwendung von Holz (Tischplatten-Teile aus Glas); Bild: Nick Dearden

3.3 Geometrische Details  ↑ Inhaltsverzeichnis

Außenkontur:
Ein ausziebarer runder Tisch kann nicht in beiden Endlagen genau rund sein. Am deutlichsten wird das bei Tischen, die in wenige Segmente unterteilt sind, und die man bevorzugt im ausgezogenen Zustand unrund lässt (Abb.16). Die in mehr als vier Segmente unterteilten Tische lässt man eingeschoben unrund (Abb.15).


Abb.15  Jupe-Tisch, unrund im zusammengeschobenen Zustand (8 Segmente, 8 "Spitzbögen) Bild: JupesPeriodIdeas
Abb.16  Fletcher-Tisch, unrund im ausgezogenem Zustand (4 Segmente, abgerundetes Quadrat); Bild: S. Rumschlag

Abb.17  Fletcher-Tisch mit zusätzlichem Außenring
             (außen: rund; innen: Spitzbogen-Folge)
             Bild: Fletcher Burwell-Taylor LTD

Im aufwändigen originalen Fletcher-Tisch ist auch diese kleine Makel behoben. Im zusammengeschobenen Zustand wird der Tisch mit einem zusätzlichen, aus sichelförmigen Segmenten bestehendem Ring umschlossen, dessen Innenkontur eine Folge von "Spitzbögen ist (Abb.17). Er wird in einem separaten Betätigungsschritt mit einem zusätzlichen Mechanismus vor dem Ausziehen abgesenkt und nach dem Zusammenschieben wieder angehoben (siehe dieses Video).

Verbindung der Tischplattenteile untereinander:
Die Tischplattenteile sollen so aneinander stoßen, dass die Tischoberfläche eine glatte Ebene ist, an den Fugen kein "Überzahn" entsteht. Dafür wird zwischen den Rändern der Teile die im Holzbau klassische Nut-Feder-Verbindung angewendet. Im vorliegenden Fall wird sie nicht dauerhaft, sondern leicht lösbar ausgeführt.

Abb.18  Fletcher-Tisch: Nut in den Spitzen der äußeren
             Tisch-Teile für die Nut-Feder-Verbindung mit
             dem zentralen Sternteil: Bild: deavita.com

Über diese Verbindungen werden aber auch vertikale Kräfte übertragen. Bei der Teilung nach dem Fletcher-Schema befindet sich der Schwerpunkt der ausgezogenen Teile außerhalb des Unterbau-Randes, und die äußeren Betriebslasten auf beide Teilegruppen müssen ohnehin über das zentrale Sternteil abgetragen werden (umgekehrte Kraftrichtung). Diese Aufgabe übernimmt im wesentlichen die Nut-Feder-Verbindung zwischen jeder Spitze der äußeren Teile und der entsprechenden Kerbe im Sternteil (entsprechend sorgfältige Ausführung, Abb.18).



3.4 Das Maximum der Ausziebarkeit  ↑ Inhaltsverzeichnis

Wie weit die Kreissegmente und pfeilförmigen Zwischenteile nach außen ziehbar sind, ist zunächst eine rein
theoretische geometrische Frage:
a) Sie müssen in ihrer äußeren Lage noch mit dem Untergestell verbunden sein.
    Beim Jupe-Tisch ist der theoretische Auszugfaktor tAZF = 2 (Abb.19 links, Anmerkung 3).
    Bei diesem Wert befinden sich die Spitzen der Kreissegmente am Rand des Untergestells.
b) Beim Fletcher-Tisch ist die Grenze der Ausziehbarkeit erreicht, wenn die Spitzen des zentralen Sterns am Rand
    des Untergestells angekommen sind. Die Spitzen der Ausziehteile befinden sich in den Kerben des zentralen
    Sterns, also deutlich innerhalb des Untergestell-Randes: tAZF ≈ 1,52 (Abb.20 links, bei 8er-Teilung ist
    tAZF ≈ 1,51).
Praktische Einschränkungen resultieren aus Bedingungen für das Tragen und Bewegen der Tischplatten-Teile:
a) Die Teile müssen vor dem erst am Ende des Ausziehens stattfinden gegenseitigen Verschränken einzeln vom
    Untergestell getragen werden. Dafür kann man sie nicht an ihren Spitzen, sondern muss sie weiter außen
    unterstützen. Sie sind i.d.R. auf vertikalen Pfosten, die kippfrei am Schubstein des Kurbelschleifen-Mechanismus
    befestigt sind,wie auf Tischbeinen angeschraubt. Befindet sich die Mitte der Anschraubstelle z.B. 40% der radialen
    Ausdehnung der Teile von ihrer Spitze entfernt, und rechnet man noch eine Zugabe von 4% für die radiale
    Ausdehnung der Pfosten nach außen, so ist der der Praxis nähere Auszugfaktor beim Jupe-Tisch pAZF = 1,56
    (Abb.19 Mitte).
    Beim Fletcher-Tisch betimmt der zentrale Stern diese Anschraubstelle, denn die Pfosten müssen im
    eingeschobenen Zustand noch außerhalb seiner Kerben bleiben. Ihnen ist der Stern im Wege.
    Rechnet man mit einem Anstoßen in den Kerben und legt die Anschraubstelle dort hin (radiale Ausdehnung der
    Pfosten noch nichtberücksichtigt), so lägen die Pfosten nach 0,52 Auszug außerhalb des Unterbau-Randes
    (0,52 + 0,52 = 1,04 > 1). Die Schubsteinbahnen müssten über den Unterbau-Rand hinausragen, was nicht in Frage
    kommt. So ist der praktische Auszugfaktor beim Fletcher-Tisch pAZF < 1,52 .
b) Der letztlich praktisch ausführbare (möglichst große) Auszugfaktor ist schließlich noch von den kinematischen
    Bedingungen der Kurbelschleifen-Mechanismen abhängig. Der Faktor wird bei vorgegebenem Drehwinkel
    zwischen aus- und eingefahrenem Zustand im wesentlichen von der Länge der gestellfesten "Kurbel" bestimmt.
    Diese kann aber nicht beliebig groß sein, weil die dann kürzere Koppelstange zu weit ausschwenkt, und der
    Schubstein zu stark zur Seite gedrückt wird. Dann ist die Kraftübertragung ungenügend, der Mechanismus kann
    selbst-hemmend sein .

Praktisch mögliche und an gebauten Tischen vorhandene Auszugfaktoren


Abb.19  Jupe-Tisch:
              Mitte: Anschraubstelle der Tischplatten-Teile 40% außerhalb ihrer Spitzen, Ausziefaktor AZF = 1,56,
              ungünstige Kraftübertragung in den Schubschleifen (relativ spitzer Winkel zwishen "Kurbel" und
              Koppelstange).
              rechts: auf AZF = 1,5 verkleinerter Ausziehfaktor (Anschraubstellendistanz auf 46% vergrößert),
              Kraftübertragung in den Schubschleifen verbessert.

a) Jupe-Tisch:
    Wegen des fehlenden zentralen Sterns sind die Einschränkungen für den Auszugfaktor geringer als beim Fletcher-
    Tisch, und seine Auslegung ist übersichtlicher als bei diesem Tisch.
    Ich treffe folgende Annahmen:
    Der Pfosten reicht 3% über seine Mitte nach außen und befindet sich im ausgefahrenen Zustand bei 0,96
    (außen 1% innerhalb des Unterbau-Randes).
    Die "Kurbel"-Länge sei 0,33, woraus sich die Koppellänge zu 0,63 ergibt (0,96 - 0,33, gestreckte Totlage).
    Durch Drehen des Tisches um 120° wird der Schubstein mit Pfosten in seine innere Lage bei etwa 0,4 (0,96 - 0,56)
    gebracht.Der Auszugfaktor ist etwa 1,56 (1 + 0,56) (Abb.19 Mitte).
    Dem füge ich noch eine zweite Variante mit verbessertem Längenverhältnis im Schubschleifen-Mechanismus
    hinzu: Die Kurbel-Länge sei 0,3, woraus sich die Koppellänge zu 0,66 ergibt (0,96 - 0,3, gestreckte Totlage)
    Durch Drehen des Tisches um 120° wird der Schubstein mit Pfosten in seine innere Lage bei etwa 0,46
    (0,96 - 0,5) gebracht. Der Auszugfaktor ist etwa 1,5 (1 + 0,5) (Abb.19 rechts).
    Diesem zweiten Wert AZF = 1,5 kommt meine Messung am Jupe-Tisch in diesem Video sehr nahe: Messung:
    AZF ≈ 1,49. In einem anderen Video habe ich AZF ≈ 1,43 gemessen. Für diesen alten Jupe-Tisch wird AZF = 1,4
    angegeben.


Abb.20  Fletcher-Tisch
              links: Die Spitzen des zentralen Sterns reichen bis zum Rand des Unterbaus.
              In die sich dadurch ergebende äußere Lage lassen sich die äußeren Tischplatten- Teile nicht mit Hilfe eines
              Schubschleifen-Mechanismus bringen.
              rechts: Der Stern wurde verkleinert (innere Punkte seiner Kerben auf Radius R0,43).
              Die äußeren Tischplatten-Teile lassen sich in ihre sich daraus ergebende äußere Lage (Ausziehfktor
              AZF = 1,43) mit Hilfe eines sich nicht über den Rand des Unterbaus erstreckenden Schubschleifen-
              Getriebes bringen (Spalt zwischen Stern und Pfosten in innerer Lage ließe zu, AFZ auf etwa 1,45 zu
              vergrößern).

a) Fletcher-Tisch:
    Beim Fletcher-Tisch sind es nicht Funktions-Bedingungen für den Schubschleifen-Mechanismus, sondern die
    geringen Platzverhältnisse zwischen den Kerben des zentralen Sterns und dem Unterbau-Rand, die den Auszugfaktor
    in Grenzen halten. Der Stern muss so weit verkleinert werden, bis die Pfosten auch im ausgefahrenen Zustand die
    Platzverhältnisse nicht sprengen. Wenn dieses Ziel erreicht ist, hat sich der zugehörende Auszugfaktor ergeben,
    denn die Spitzen der ausgefahrenen Platten-Teile liegen ja in den Innenpunkten der Kerben an.
    Für die Pfosten (Kontur, Näherung bis 1% an den Unterbau-Rand) und den Drehwinkel sind meine Annahmen
    gleich wie beim Jupe-Tisch. Die Innepunkte der Sternkerben lägen auf Radius R 0,43.
    Die "Kurbel"-Länge sei 0,26, woraus sich die Koppellänge zu 0,70 ergibt (0,96-0,26, gestreckter Mechanismus).
    Durch Drehen des Tisches um 120° wird der Schubstein mit Pfosten in seine innere Lage bei etwa 0,53 gebracht.
    Das Auszugfaktor ist etwa 1,43 (1 + 0,96 -0,53).
    Abb.20, rechts zeigt, dass der Abstand zwischen Sternkerben und Pfosten in innerer Lage ausreicht, Platz eher
    verschwendet wird. Der Auszugfaktor ließe sich sogar noch ein wenig vergrößern (etwa bis AZF=1,45).
    In ausgeführten Fletcher-Tischen ist man m.E. ausgesprochen verschwenderisch. Die Fletcher Burwell-Taylor Ltd
    gibt den relativ kleinen Wert AZF = 1,32 an (Flächenfaktor: 1,73:1). Ich ließ bei in Werbe-Videos vorgenommenen
    Nachmessungen den im zusammengeschobenen Zustand außen zufgefügten Ring weg und stellte maximale
    Werte von AFZ = 1,38 fest. Als sinnvoll erachte ich 1,414 (Anmerkung 4), bei dem der Flächenfaktor 2:1 ist.

3.5 Die Mechanismen für das Heben und Senken von Tischplatten-Teilen (Fletcher-Tisch)
      ↑ Inhaltsverzeichnis

Im eingeschobenen Zustand bilden die Kreissegmente die oberste Schicht (Schichtenfolge: siehe Abb.11). Da sich die pfeilförmigen Teile, die radial gleich groß wie die Kreissegmente sind, ebenfalls in der Mitte treffen, müssen sie die zweitoberste Schicht bilden, denn unter der untersten Schicht schließt der den Raum in der Mitte beanspruchende Tischfuß an.
Damit der Tisch im eingeschobenen und im ausgezogenen Zustand gleiche Höhe hat, bleiben die Kreissegmente immer in gleicher Höhe. Vertikal werden nur die pfeilförmigen Teile und der Stern verschoben. Das Verschieben wird - wie schon beim Jupe-Tisch - immer zusammen mit dem Drehen der äußeren Tischplatten-Teile um die Tischmitte erzeugt.

Beim originalen Fletcher-Tisch sind die entsprechenden Bewegungs-Mechanismen in Abb.12 erkennbar. Alle Bewegungen finden auf schiefen Ebenen statt. Bei den äußeren Teilen gehen sie von den radialen Bewegungen der Schubsteine der Kurbelschleifen aus.

Eine mehrmals vorkommende Konstruktions-Variante für die vertikale Bewegung der pfeilförmigen Teile ist das gemeinsame Anheben und Senken der betreffenden Schubstein-Bahnen (Die Koppelstangen der Kurbelschleifen bewegen sich nur mit den Schubsteinen auf und ab. An ihrem inneren Gelenk schwingen sie zusätzlich ein kleines Stück auf und ab). Die Baugruppe Schubsteinbahnen läuft beim Drehen um den Tischfuß auf (schraubenförmige) Stücke schiefer Bahnen auf.
Beispiele sind Scott Rumschlag's Entwürfe.
An seinem Tisch mit Holzunterbau befinden sich diese auf schiefe Bahnen auflaufenden Rollen am äußeren Rand des Unterbaus (Abb.n 21 und 22).
Die unterste Platte trägt die radial beweglichen Kreissegmente, die obere die pfeilförmigen Teile.
Die Schubsteine für die Kreissegmente ragen durch Schlitze in der oberer Platte nach oben durch.

Abb.21  Tisch von Scott Rumschlag mit Holzunterbau: schiefe Bahnen am Rand, die durch Ausschnitte in unterer
             drehbarer Platte (ist aufgelegt) für an oberer Platte (noch nicht aufgelegt) befestigte Rollen zugänglich sind.
             4 vertikale Stifte dienen zum Führen der vertikal beweglichen oberen Platte. - Bild: Scott Rumschlag
Abb.22  Eine der Rollen an der vertikal beweglichen oberen Platte auf schiefer Bahn am Unterbau.
             Rollen klappen vor Gebrauch nach unten, wodurch die schiefen Bahnen im Unterbau versenkbar angebracht
             werden konnten.
             links oben: Schubstein und -Führung unter einem pfeiförmigen Teil; rechts oben: ein Kreissegment.
             Bild: Scott Rumschlag

An seinem Tisch mit Metallunterbau befinden sich diese auf schiefe Bahnen auflaufenden Rollen am Rand des Tischfußes (Abb.23).
Die Schubsteinbahnen für die pfeilförmigen Teile sind als Arme an einem den Tischfuß umgreifenden Ring befestigt. Dieser Ring trägt an seinem unteren Rand Rollen, die bei seinem Drehen auf Fuß-feste schiefe Ebenen (Rampen) auflaufen, wobei die pfeilförmigen Teile angehoben werden.

Abb.23  Tisch von Scott Rumschlag mit Metallunterbau:
             in der Mitte unten eine der Rollen zum Anheben der pfeilförmigen Teile (sind nicht montiert),
             rechts und links davon die beiden dafür gebrauchten schiefen Ebenen (Rampen).
             Bild: Scott Rumschlag

Auch im bereits oben zitierten Glastisch ist zu sehen, wie sich die 4 zum Tragen der pfeilförmigen Teile bestimmten Schubbahnen (Arme, miteinander ringförmig verbunden) gemeinsam vertikal bewegen.

Abb.24  Tisch von Scott Rumschlag mit Holzunterbau:
             Die 3 in der Mitte befindlichen Bleche dienen
             als Hebel zur Verdopplung der vertikalen
             Bewegung der die pfeiförmigen Teile tragenden
             Platte. An ihren freien Enden wird der diesen
             doppelten Hub erfordernde zentrale Stern
             aufgelegt. - Bild: Scott Rumschlag

Für die vertikale Bewegung des zentralen Sterns hat Scott Rumschlag einen nur bei ihm vorkommenden Mechanismus verwendet. Dieser besteht aus Hebeln, die die vertikale Bewegung der die pfeilförmigen Teile tragenden Platte (Hebel am Rand ihres zentralen Loches aufliegend) auf den doppelten Hub übersetzen.


4. Anmerkungen       ↑ Inhaltsverzeichnis

Anmerkung 1:     ↑ zurück
Die Abmessungen der je 4 Mechanismus-Teile ergeben prizipiell umlauffähige Kurbelschleifen, die aber im vorliegenden Falle nur hin- und herschwingend benutzt werden.

Anmerkung 2:     ↑ zurück
Scott Rumschlag hat auch einen Prototyp mit metallenem Unterbau angefertigt.

Anmerkung 3:     ↑ zurück
So wie der Ausziehfaktor sind alle in diesem Abschnitt genannten Werte auf den Einheitsradius 1 des zusammengeschobenen Tisches bezogen und damit dimensionslos.

Anmerkung 4:     ↑ zurück
Sinnvoll deshalb, weil man zwar nicht am Rand, aber auf dem Tisch doppelt so viel Platz hätte. Die in der Werbung gelegentlich versprochene Verdopplung der am Tisch Versammelten bedeutet engeres Nebeneinandersitzen, und der Platz auf dem Tisch vor einem einzelnen Gast wäre erst mit AFZ= 1,414 (Wurzel aus 2) nicht kleiner als bei eingeschobenem Tisch.

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Siegfried Wetzel, CH 3400 Burgdorf, März 2018 (April 18)

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