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Rad mit verschieden langen Pedalarmen

Zusammenfassung

Um meinem Vater im hohen Alter das Radfahren auch bei eingeschränkter Beugefähigkeit eines seiner Knie zu ermöglichen, ersetzte ich einen der beiden Pedalarme durch einen kürzeren. Ich habe das Rad nach seinem Tod weggeworfen, aber den veränderten Kurbeltrieb vorher ausgesägt und aufbewahrt. Nachträglich erfuhr ich, dass zahlreiche ältere Radfahrer ähnliche (einseitige) Knieprobleme haben, weshalb ich meine Lösung hiermit bekannt mache.

Inhalt

1. Die Aufgabe
2. Die prinzipielle Lösung
3. Die ausgeführte Lösung

1. Die Aufgabe  ↑ Anfang

Mein Vater hat den Rußlandfeldzug Hitlers überlebt, kam aber mit einem verkürzten und krummen linken Bein wieder nach Hause. Die Kürzung wurde mit einem örthopädischen Schuh mit dicker Sohle ausgeglichen, was ihm bis ins hohe Alter ein beinahe normales Gehen und Radfahren erlaubte. Erst in seinen letzten etwa 10 Jahren - seinen Achzigern - konnte er das Knie nicht mehr gut beugen, was vor allem das Radfahren erschwerte. Er musste auf dem Sattel seitlich hin- und herrutschen, um den Fuß beim oberen Durchgang auf dem Pedal zu behalten. Die Aufgabe war, ihm wieder ein mehr oder weniger normales Radfahren zu ermöglichen.

2. Die prinzipielle Lösung  ↑ Anfang

Nach dem Krieg gab es viele beinamputierte ehemalige Soldaten mit einer Gehprothese. Damals wurde das entsprechende Pedal still gelegt und zur Fußstütze gemacht. Mit dem verbliebenen Bein wurde "getreten", wobei der Fuß in eine Pedalschlaufe gesteckt wurde. Auf diese Weise wurde die Aufwärtsdrehung des noch drehenden Pedalarms erreicht, natürlich ohne dass in dieser Phase das Rad wesentlich angetrieben wurde.

Bei meinem Vater war die Situation wesentlich günstiger. Er konnte noch beidbeinig "treten", nur links nicht mehr von der normalen Höhe herab. Pedalarme von Kinderfahrrädern haben nur etwa zwei Drittel der Normallänge. Man kann damit die höchste Normalpedallage um die doppelte Längendifferenz herabsetzen, wenn auch die Drehachse tiefer positioniert wird (s. Abb.1 bis 3).

Abb.1 Kurbeltrieb mit verschieden langen Pedalarmen:
kürzerer Arm auf tieferer Achse, Kettentrieb zwischen den Achsen

3. Die ausgeführte Lösung  ↑ Anfang

Am Rad meines Vaters hatte ich den linken Pedalarm zu kürzen und tiefer zu lagern, was relativ einfach ausgeführt werden konnte. Das Kettenrad konnte mit einem Normalarm verbunden und auf seiner Achse bleiben; der Kettentrieb zum Hinterrad blieb unbeeinflusst. Grundsätlich ist aber die Lösung auch für Fahrer mit eingeschränkt beugbarem rechten Knie anwendbar. Das tief sitzende Kettenrad wäre gegen Bodenberührung zu schützen. Denkbar ist auch, den Kettentrieb auf die linke Seite zu setzen. Der Freilauf im Hinterrad müsste umgekehrt eingebaut werden.

Fast alle Zusatzteile sind übliche, teilweise wieder verwendete Fahrradteile. Unter das Tretlager ist ein aus einem alten Rahmen (blau) gesägtes zweites Tretlager gesetzt. Seine Achswelle ist rechts abgesägt, links ist ein Zahnritzel hinter dem kurzen Pedalarm eingefügt. Die erworbenen relativ dicken Moped-Zahnritzel haben eine Zweiflachbohrung zur Drehmomentübertragung. Die Achswelle wurde entsprechend zugeschliffen. Zusätzlich ist das Ritzel am Pedalarm angeschraubt. Die obere Achswelle wurde links abgesägt und für den Zweiflachsitz des oberen Ritzels zugeschliffen. Das Ritzel wird achsial von einer Scheibe mit Schraube gehalten. Die kurze, 1:1 übersetzende Kette ist zusammen mit den Ritzeln ausgesucht.

Abb.2 Doppelkurbeltrieb, Ansicht von links                           Abb.3 Doppelkurbeltrieb, Ansicht von rechts,

Das untere Tretlager (blau) ist untem Rahmen-Tretlager (grau) angeklemmt. Vorn sind die Schrägrohre mit einer zweiteiligen Bride verbunden (Abb.4). Hinten werden die unter den Hinterradstreben befindlichen Anschlussplatten für einen Radständer benutzt. Dazwischen ist ein kurzes Vierkantrohr geklemmt (Abb.5). Zwei zweifach gelochte Bleche stellen den genauen Abstand zwischen beiden Lagern her. Sie sind unter die in den Rahmen einzuschraubenden Lagerringe (bzw. Lagerringe und Konterringe) geklemmt (Abb.4).

Abb.4 Doppelkurbeltrieb, Ansicht von vorn                            Abb.5 Doppelkurbeltrieb, Ansicht von hinten

LogoSW Siegfried Wetzel, CH 3400 Burgdorf, Febr.2011

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