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Stanserhorn-Seilbahn CabriO®
- die Anordnung der Zugseile -

Inhalt

1. Überblick
2. Die Führung der Zugseile
3. Bewegung der Zugseile bei Störungen

1. Überblick   ↑ Anfang

<<  Abb.1  Stanserhorn-Seilbahn CabriO®
                  von der Bergstation aus gesehen, Blick.ch

Die Kabinen der 2013 in Betrieb genommenen neuen Seilbahn auf das 1900 Meter hohe Stanserhorn (Schweiz, Kanton Nidwalden, Abb.1) fährt auf zwei Tragseilen, die 5 Meter Abstand voneinander haben. Sie sind zweistöckig und befinden sich nicht wie herkömmlich unter den Tragseilen sondern zwischen ihnen. Diese Anordnung hat anstatt eines einzelnen zwei Zugseile zur Folge.

Das Zugseil ist in der Höhe der Fahrwerkachsen zu befestigen, damit das Fahrwerk nicht nach unten (zu hohe Befestigung) oder nach oben (zu niedrige Befestigung) gekippt wird. Über einen Querbalken ließen sich die beiden Fahrwerke der CabriO®-Bahn auch an ein mittiges einzelnes Zugseil anhängen. Dahinter befindet sich aber das obere Stockwerk der Kabine, das den Raum auf den Stützen beansprucht, der für Zugseil-Tragrollen in passender Höhe gebraucht wird. Bei den traditionellen Seilbahnkabinen existiert dieser Konflikt nicht, weil sie unter dem Tragseil und dem dort befindlichen Zugseil hängen (Hängeseilbahn) bzw. über den Schienen und dem Zugseil stehen (Standseilbahn).

Die beiden Zugseile der CabriO®-Bahn sind nicht einfach parallel angebracht und werden nicht unabhängig voneinander betrieben. Ohne wesentlichen Mehraufwand zum bereits doppelten Aufwand wurde eine verknüpfte Betriebsart gefunden, die zu einer Erhöhung der Betriebssicherheit durch Redundanz führte: Die Seilbahn kann weiter betrieben werden, wenn einer der beiden Antriebe oder eine Zugseil-Umlenkrolle in der Tal- oder in der Bergstation ausgefallen ist. Die Passagiere können problemlos zu einer der Stationen oder bei Bedarf gesamthaft zur Talstation gebracht werden (Werbeslogan: "Integrierte Bergung"), bevor man die Anlage für die fällige Reparatur außer Betrieb nimmt. Hätten die Kabinen voneinander getrennte seitliche Zugseile (Abb.2, links), würde ein Seil mit intaktem Antrieb die Kabinen außermittig ziehen/zurückhalten, was zum "Entgleisen" führen kann. Die geänderten Seilverknüpfungen und -führungen sind in Abb.2, rechts schematisch dargestellt.

2. Die Führung der Zugseile   ↑ Anfang

Abb.2  Schema der Zugseile: Draufsicht; links: Verdopplung zweier konventioneller Seilführungen; rechts: CabriO®

<<  Abb.3  Funktionsmodell der Stanserhorn-Seilbahn mit Zugseilen
                 Kabinen-Führung zwischen Leisten anstatt auf Tragseilen

Anstatt zwei in konventioneller Art angebrachter Zugseile - inneres Zugseil und äußeres Zugseil (Abb.2, links) - gibt es ein endloses oberes Zugseil und ein endloses unteres Zugseil (Abb.2, rehts, Anmerkung 1). Diese endlosen Zugseile sind nicht fest mit den Kabinen verbunden, sondern in je ein oberes und je ein unteres Rollenpaar an den Kabinen gehängt (Anmerkung 2). Im normalen Betrieb drehen sich die Umlenkrollen an den Kabinen nicht (Ausnahme: Längenausgleich bei unterschiedlich kleinen Dehnungsänderungen in den Seilen, oder kleinem unterschiedlichen Seiltransport durch die beiden Antriebe; Schiefstellen der Kabinen wird durch den Längenausgleich vermieden).

3. Bewegung der Zugseile bei Störungen
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Zur Bestätigung der nicht ganz einfachen Überlegungen zu den Beweglichkeiten der Zugseile habe ich mir das in Abb.3 gezeigte Modell angefertigt. Es ist eine vereinfachte Kopie eines bekannten Modells, bei dessen Erklärung aber nicht auf alle Details eingegangen wird.

Störungen, bei denen der Seilbahnbetrieb bis zum sicheren Ausstieg aller Passagiere aus beiden Kabinen möglich ist, sind:

1. Einer der beiden Antriebe (das untere Zugseil ist um die jeweilige Antriebstrommel geschlungen) ist ausgefallen (Abb.4: XX oder XX).

2. Eine oder zwei zusammengehörende Umlenkrollen in der Tal- oder in der Bergstation sind blockiert (zusammen gehören die beiden inneren und die beiden äußeren Rollen, Anmerkung 3).

zu 1:
Der intakte Antrieb bewegt die Seilbahn mit halber Geschwindigkeit, denn er zieht die Kabinen bzw. gibt sie frei wie das zu ziehende Seil an einem einfachen Flaschenzug (eine Seilrolle). Die halb so schnelle Flasche ist in diesem Fall eine Kabine mit ihren beiden in Reihe liegenden unteren Umlenkrollen, die sich drehen (Abb.4: ). Die oberen Umlenkrollen der Kabinen drehen sich nicht.

zu 2:
Wenn Umlenkrollen in der Talstation blockiert sind, ist der zugehörende Antrieb auszuschalten. Ansonsten gilt das zu 1. Gesagte.
Wenn Umlenkrollen in der Bergstation blockiert sind, bewegt sich die Seilbahn mit Normal-Geschwindigkeit und die unteren Umlenkrollen der Kabinen drehen sich nicht. Es drehen sich die oberen Umlenkrollen der Kabinen.




<<  Abb.4  Funktionsmodell der Stanserhorn-Seilbahn:
                 Bewegung der Zugseile bei Störungen
                 (Beispiel: Talstation)

4. Anmerkungen   ↑ Anfang

Anmerkung 1   ↑ zurück
Das Verbinden der Seile zu endlosen Schlaufen ist eine Erschwernis gegenüber dem konventionellen Anklemmen der Enden offener Seile am Fahrwerk der Kabinen. Die Verbindungsstelle muss bei der sogenannten "Integrierten Bergung" über Umlenkrollen laufen.

Anmerkung 2   ↑ zurück
Um den Blick ins Tal aus den unteren Etagen der Kabinen nicht zu beeinträchtigen, sind die unten gezeichneten Rollen tatsächlich zusammen mit den oberen Umlenkrollen an den oberen Ecken der Kabinen angebracht (das untere Zugseil ist entsprechend länger).

Anmerkung 3   ↑ zurück
In der Bergstation ist die Zahl der Umlenkrollen tatsächlich Acht. Vier davon werden mit Gewichten nach oben gezogen, wodurch die Zugseile gespannt werden. Statt zwei sind es je vier Rollen, die alle gleichzeitig blockiert sein dürfen.





LogoSW Siegfried Wetzel, CH 3400 Burgdorf, Oktober 2013

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